LUISA SEIPP | ALLGEMEINES KÜNSTLERLEXIKON | DE GRUYTER VERLAG

Schlingheider, Gary, dt. Maler, Bildhauer, Installationskünstler,* 1983 Detmold, lebt in Berlin Ausb.: 2010–17 Udk Berlin (Bild. Kunst) bei Pia Fries, Gregory Cumins und Christine Streuli (Meisterschüler 2016–17).Ausz.: 2017 Meisterschülerpreis des Präs. der Udk Berlin; Jacqueline Diffring Preis für Skulptur. Widmet sich S. zunächst primär der Malerei, konzentriert sich seine aktuelle künstlerische Praxis auf die Verbindung von Malerei und Bildhauerei bzw. Installationskunst. Seine Arbeiten befassen sich mit linearen Formen und Raum, mit Reduktion und Perzeption. Er arbeitet dabei mit versch. Mat. und Techniken, meist jedoch mit Lw., Stahl, Acryl, Lack und dem Raum selbst. In Werken wie 30MM (unbehandelter Stahl, 2017) positioniert er unterschiedlich große konturhafte Formen aus schwarzem Stahl im Ausstellungsraum. Die Stahlobjekte sollen den Beobachter dazu bringen, die im alltäglichen Leben bek. und oft emotional besetzten Formen anhand ihrer vereinfachten Umrisslinien in einem objektiven Kontext wahrzunehmen. Durch die Nichtfarbigkeit des Stahls wird der Abstraktionsgrad zu höchster Neutralität gesteigert und lässt die Aufmerksamkeit des Beobachters allein auf die ästhetische Dimension der realen Form wandern. Seine Installation Playground (Stahl, Lack, alle 170x130 cm, 2015) besteht dagegen aus monochrom farbigen Stahlkonstruktionen, die er aber ähnlich im Raum aufstellt und starke Assoz. zu den integralen Bestandteilen der Malerei – Struktur, Form und Farbe – aufstellt. S.s skulpturale Werke konzentrieren sich weniger auf die konventionelle haptische Qualität eines Objekts, sondern vielmehr auf dessen optische und ästhetische Erscheinung und Wirkung auf den Betrachter. Hierbei ist S. stark von dem US-amer. „Hard Edge“-Künstler Ellsworth Kelly beeinflusst, dessen abstrakte und asymmetrische Gem. später räumlichen und skulpturalen Formen weichen. Weitere künstlerische Wurzeln liegen im dt. Konstruktivismus und der Konkreten Kunst der 1960er Jahre. Auch im konzeptuellen Minimalismus und dessen Suche nach Objektivität und strukturierter Klarheit findet S. immer neue Ansatzpunkte. Durch die Synthese von Skulptur,Linie, Bildhaftigkeit und Raum entstehen dreidimensionale Zchngn und Malereien im Raum.